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11
Apr
10

Und oft kommt es anders als man denkt

Trotz viel Spass und schönen Erlebnissen konnten meine zwei Jahre Studenten-Theater keine Leidenschaft für’s Theater in mir wecken. Theater ist nicht meine Welt, vor allem nicht als Zuschauerin. Man darf daraus gerne schliessen: ich bin keine Kennerin!

Es kommt immer, wie es kommen muss. Meine heiss geliebte Patentochter, die ich selbstverständlich, ebenso wie meine zweite Nichte, in ihren Aktivitäten und Interessen bestmöglich unterstützen möchte, liebt das Theater. Ausgerechnet! Seit einem Jahr ist sie Mitglied der Theatergruppe ihrer Schule, was übrigens dazu führte, dass ich sie in den letzten paar Monaten kaum noch sah! Theater spielen ist ein zeitintensives „Hobby“.

„Im ‚Wintermärchen‘ … steht die Erzählung einer zeitlich wie örtlich weit ausgedehnten Geschichte im Vordergrund, die vom König Leontes handelt, der wegen seiner Eifersucht seinen besten Freund und seine Familie verliert, doch nach sechzehn Jahren wie durch ein Wunder wiederfindet. […]Dem Autor geht es […] darum zusammen mit dem Zuschauer über das Wesen des verletzlichen menschlichen Lebens in seiner gefährdeten Existenz nachzudenken, das von einer Macht ganz besonders beherrscht wird: der Zeit, die auch als Figur, als Chorus im Stück auftritt.“ Das schreibt die ArbeitsGemeinschaft Theater Rämibühl auf ihrer webpage über das Stück.

Das Wintermärchen - Ein Stück Zeit nach William Shakespeare

Das Wintermärchen - Ein Stück Zeit nach William Shakespeare

Am Freitagabend also war es soweit, ich „musste“ mir das Stück in der Aula Rämibühl ansehen. Wer die Aula Rämibühl kennt, der weiss: Der Innenarchitekt war möglicherweise mit Kunst beschäftigt, das kann ich nicht beurteilen, keinesfalls aber mit dem Hinterteil des Menschen. Dieses ging ihm wohl eher an ebendemselben vorbei. Im Klartext: Bequem sitzen und Aula Rämibühl ist ein Oxymoron. Entsprechend gross war meine Vorfreude, Laientheater in Kombination mit Diskomfort – da musste ich jetzt einfach durch.

Das Wintermärchen - Ein Stück Zeit nach William Shakespeare

Das Wintermärchen - Ein Stück Zeit nach William Shakespeare

Aus „Muss“ wurde GENUSS und noch viel mehr. Was ich am Freitagabend sah, hat mich gewaltig beeindruckt. Nicht die Spur von Laientheater und absolut keine Langeweile. Mit Fragen zu ZEIT, die zu Beginn der Aufführung ins Publikum geworfen wurden, war der eigene Geist schon angenehm angeregt. Die Geschichte entfaltete sich durch hervorragendes Schauspiel, unterbrochen durch Erzählungen in Deutsch und Englisch. Die Choreographie, wenn man das Wort für Theater überhaupt verwenden darf, der Rhythmus der Erzählung war herrlich vielseitig. Schauplatz war nicht nur die Bühne, die Charaktere bewegten sich zum Teil im ganzen Saal. Von ganz ruhig, fast regungslos und leise bis zu volksfestartigen Tumulten, von ganz dunkel über Spot bis helles Lichtspiel, von Walzertanz bis Rap, von Liebesszenen über Tragik bis zu humoristischen Einlagen, es war einfach alles dabei. Die Menge dieser Zutaten war perfekt, die Kombination wundervoll aufeinander abgestimmt.

Es hat mir ECHT gut gefallen! Und ehrlich, ich bin schon gespannt, was diese Truppe nächstes Jahr auf die Beine stellen wird.

Es ist noch nicht zu spät, die nächsten Spieldaten sind: 13./ 14./ 16. und 17. April 2010