Archive for the 'Inspiration' Category

23
Mrz
11

Die abstrakten Glasreihen

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Gabriela Seglias).

Glasreihen: Abstrakter werden

Am Anfang stand mein Entschluss, mich mehr zu trauen. Ich wollte mir vermehrt einen Ruck geben und Dinge tun, die mir unangenehm waren, mich beunruhigten, für andere dagegen vermutlich ein Klacks waren. Und so verfasste ich beispielsweise hier hin und wieder einen Blogpost, meldete mich bei der LeserInnen Aktion der annabelle und reichte ein Foto auf http://fokussiert.com/bildkritiken/ zur Bildkritik ein. Ich wählte die Kategorie „Abstrakt“, offen gesagt, weil ich keine passendere gefunden hatte, und harrte der harrschen Kritik, die da nun kommen würde.

In den Monaten des Wartens, ich rechnete nicht wirklich damit, dass meine Fotografie zur Besprechung ausgewählt würde, las ich mit grossem Interesse die täglichen Foto-Kritiken. Die Seite ist sehr interessant und lehrreich, und ich habe viele wunderschöne Fotos gesehen.

Heute war es nun so weit, meine Fotografie wurde kritisiert, und es hat gar nicht weh getan. Die Überwindung hat sich gelohnt. Vielen Dank Stuart Schwartz!

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23
Nov
10

Open Education – Das Ende der Hochschulen?

Es war ein fulminanter Auftritt, den Andreas von Gunten am letzten Netzzunft-Abend vom 17.11.2010 aufs Parkett legte. Mit seiner ganzen Leidenschaft hielt er ein Plädoyer für Open Education: Die von Humboldt geforderte freie Bildung und freie Forschung haben wir noch nicht erreicht, meint er. Die Hochschulen und Universitäten sind überfordert und reagieren mit Bürokratie sowie erhöhten Zugangsbeschränkungen. Dabei liegt gemäss Andreas von Gunten die Lösung auf der Hand: Das Internet wird alles verändern, und zwar radikal. Es ermöglich das Lernen miteinander und im Austausch, ohne dass notwendigerweise alle physisch am gleichen Ort sein müssen. Mit dem Internet haben wir endlich die Möglichkeiten, das humboldtsche Ideal Wirklichkeit werden zu lassen.

Basierend auf der Cape Town Open Education Declaration und der Berlin Declaration on Open Access in the Sciences and Humanities kommt Andreas von Gunten zum Schluss, Hochschulen könnten einiges sofort tun:

  • Veröffentlichung aller Vorlesungen, Seminare und anderer Veranstaltungen im Internet
  • Verpflichtung zur Veröffentlichung aller Forschungsresultate, inkl. Rohdaten im Internet zur freien Nutzung
  • Abschaffung aller Zulassungsbeschränkungen zu den Inhalten und Lehrgängen
  • Abschaffung aller Zulassungsbeschränkungen zu den Examen, Diplomprüfungen, usw. (keine Präsenzpflicht)

Nicht weniger enthusiastisch war Peter Köppel’s Replik. Glaubenssätze, meint er, seien die Grundlage für Andreas von Gunten’s Überzeugungen, wie beispielsweise die grosszügige Annahme, alle Intelligenzen seien ziemlich gleich. Vier Aspekte fand er besonders wichtig:

  1. Zum Lernen ist es manchmal wichtig, dass man zum Lerngegenstand, also zum Thema, die richtige Einstellung findet – vermittelt durch einen guten Lehrer (oder vereitelt durch einen schlechten)
  2. Zum Lernen gehört auch der Drill. Es reicht nicht, dass einem theoretisch alle Informationen zur Verfügung stehen. Man muss manchmal Zeugs lernen, das einem stinkt. Es braucht Disziplin, und diese zu lernen, dazu braucht es Erziehung.
  3. Das Internet ist für die Forschung nicht das Alleinseeligmachende, sondern einfach nur eine weitere Umweltbedingung. Während bei der Interdisziplinarität jede Disziplin „Herr im eigenen Haus“ ist, gibt es bei der Transdisziplinarität keine „Herren im Haus“ mehr. Daraus resultiert eine viel komplexere Welt.
  4. Twitter ist 140 Zeichen ohne Kontext. Was aber, wenn wir lernen, ohne dass uns jemand den Kontext liefert?

Mit dem Internet, so seine Schlussfolgerung, steigt also die Komplexität, die Qualität dagegen sinkt.

Eine sehr lebendige Diskussion folgte auf diese zwei gegensätzlichen Standpunkte, von der ich (wegen fehlender Stenokenntnisse) leider nur Fragmente wiedergeben kann.

Zunächst wurde mit dem Mythos Linux aufgeräumt, mit dem Hinweis, dass viele Gruppen vom Basar-Modell zum Kathedralen-Modell gewechselt hätten, also zu geschlossenen Gruppen wurden. Einige fanden, mit das Wertvollste während des eigenen Studiums sei der Austausch mit den anderen Studierenden gewesen, und bezweifelten, dass dies beim Austausch im Web genau so möglich wäre, ebensowenig wie das Erlernen von den als sehr wichtig erachteten sozialen Kompetenzen. Ein weiterer Punkt war das Geld. Wie soll das bezahlt werden? Werden am Ende anstelle der fehlenden Matura die fehlenden Finanzen zur Zugangsbeschränkung.

Räumlichkeiten und Infrastruktur wurden uns an diesem Netzzunft-Abend übrigens vom SIB kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Lehrgänge des SIB stehen allen offen, eine Matura ist keine Voraussetzung 😉

Die Folien von Andreas von Gunten’s Vortrag: https://docs.google.com/present/view?id=dfjjsn7t_2150dcwfm8r9

30
Aug
10

Twallfahrt – Mit Abt Martin und Twitterern besinnlich nach Einsiedeln

Für alle, die den Bericht über die Twallfahrt in der Tagesschau von SF 1 am Sonntag 29.8. verpasst haben, und mich gerne sehen möchten 😉

Bericht in der Tagesschau von SF1 vom 29.8.2010 über die Twallfahrt

Weitere Links hat @dhaitz_ch auf seinem Blog zusammengefasst.

02
Jul
10

Von Twitter ins reale Drachenboot am ZüriFäscht

Für ihn als Basler sei ZüriFäscht ein absolut grausames Wort. Dennoch schritt Dominik, @dhaitz_ch, von der Idee zur Tat und machte in Twitter und über seinen Blog einen Aufruf, mit Twitterern am Drachenbootrennen vom ZüriFäscht teilzunehmen. Drei Tage später steuerte David (@dworni) bereits das Logo bei und die TeilnehmerInnen meldeten sich begeistert. Im Juni wurde es dann spannend. Schon bald hatten wir erste Sponsoren. DayDeal als erster Sponsor rüstet uns mit T-Shirts aus, entsprechend grün werden die twittboats bestückt sein. Als nächstes konnte ich Peter (@BildungsBlogger) und damit das SIB, die Schweizer Kaderschmiede gewinnen, das Startgeld für eines der zwei Boote zu übernehmen, und wenige Tage später kam Nine Internet Solutions AG als Finanzgeberin dazu.   

AN5E7840 von x-foto.ch

(c) x-foto.ch

 

Am 14. Juni trafen wir uns dann (fast) alle zum ersten Mal, um beim ersten und letzten Training ein Gefühl für die Paddlerei zu erhalten. Abgesehen von der sehr professionellen Anleitung und Einführung durch die Veranstalter und die Freude, endlich die MitpaddlerInnen kennenzulernen, haben mich die Fotografen Michael (@Schnitzel86) und Marcel (@theswiss) ganz besonders beeindruckt. Was für ein Bild, wie die Zwei im eigens für dieses Training gemieteten Boot wie Paparazzi um die zwei Twittboats kurvten und supertolle Fotos schossen.   

Zwei Tage nach dem Training stand fest: Für unser leibliches Wohl werden @shibby mit @schnellnicole (Kochen mit Shibby) und@RahelRadisli mit ihren Sweet Temptations besorgt sein. Auch der Durststiller nach dem Rennen ist durch Amboss Bier gesichert – und mit ihrem kultigen Käppi werden wir auch den dringend nötigen Sonnenschutz haben.   

Mittlerweile hatte Michael ein Teleobjektiv ins Auge gefasst, das zu mieten nicht ganz ohne ist. Ein weiterer Aufruf über Twitter blieb auch diesmal nicht lange ungehört, dank Thomas‘ (@thlang) finanzieller Unterstützung kann Michael seine Twitterazzi-Fähigkeiten am Drachenboot-Rennen unter Beweis stellen. Ich freue mich schon auf weitere tolle Aufnahmen von diesem einmaligen Anlass.   

Eine Überraschung der besonderen Art folgte auf die Veröffentlichung der Twittboat-Teilnahme in RON ORP’s Mail Zürich. Es meldete sich Simon (@suubmarine) mit dem Resultat, dass … seht selber   

Ich freue mich auf einen tollen Anlass und danke unseren Sponsoren für ihr Engagement:   

        

      

Wie es dann am Wochenende tatsächlich ‚rauskam auf dem Original
Und zum Anschauen: Twittboat Movie 

#Twittboat auf Twitter: http://twitter.com/#search?q=%23twittboat
#Twittboat
Fotos auf Flickr: http://www.flickr.com/groups/twittboat
Weitere Blogposts:
Go! Twittboat! Go! ~ Leumund
morgen Samstag #twittboat ~ Flog
Go Twittboat, go! ~Bloggingtom
http://blog.senn.ch/2010/07/05/twittersdragonboat-nachlese-twittboat/

21
Mai
10

Mit Abt Martin per Du

Meine Neugierde auf @AbtMartin im richtigen Leben war wesentlich grösser als meine Hemmungen, mich als web 2.0 Amateurin bei der Netzzunft anzumelden. Ein ganz besonderer Abend war es, angekündigt im web 2.0 als Gespräch mit @AbtMartin über Glaube 2.0.

So wie ich Twitter kennengelernt habe, hatte ich mir die Atmosphäre an dem Anlass ganz anders vorgestellt. Ich hatte einen aufgeregten, lebendigen Austausch erwartet, manche, die lautstark Neuigkeiten zum Besten geben, Gelächter, eine Party halt. Stattdessen war es andächtig still. Man freute sich über die bekannten Gesichter, die man nun endlich mal im realen Leben kennenlernen durfte – und wartete Gespannt auf den Ehrengast Abt Martin. Kurz vor seinem Eintreffen stellt jemand dann eine irritierende Frage: Darf man den Abt eigentlich duzen? Und da, wo sonst Duzis-Einigkeit herrscht, war man sich plötzlich nicht mehr sicher. Dem Abt eilte eine Menge Respekt voraus, Kindheits-Kirchen-Erinnerungen, generell Ehrfurcht vor den Würdenträgern, die Twitterer kamen ins Grübeln.

Diese nahezu ehrfürchtige Stimmung hielt den ganzen Abend an. Das gab dem Abt viel Raum, die gestellten Fragen ausführlich zu beantworten. Mir hat das sehr gut gefallen, keine Hektik, Zeit für Pausen und zum Nachdenken – und natürlich auch zum Twittern.

Su Franke hat fleissig mitgetippt, ich hoffe, dass sie die Inhalte dem Rest der Welt in ihrem Blog zur Verfügung stellt. Dies ist mir in Erinnerung geblieben:

Abt Martin twittert, um zu hören, was die Welt bewegt – „Höre und du wirst ankommen!“ Die Menschen haben immer das genutzt, was ihnen zur Verfügung stand, heute steht uns das Internet mit all seinen Facetten zur Verfügung, also nutzt er es. So einfach ist das. Überhaupt hatte Abt Martin auf vieles ganz einfache und sehr einleuchtende Antworten. Internet ist nichts Besonderes, und Twittern ist faktisch wie Glockengeläute, man kann Leute zusammenbringen. Die spezielle Virtualität des Internets kann er nicht erkennen, es seien ja schlicht Menschen dahinter.

An Twitter gefällt ihm die Beschränkung auf 140 Zeichen. Daran will er sich halten, sieht das als Herausforderung – er mag keine Fortsetzungs-Tweets – und findet, Kirchenpapiere seien oft zu lange. 140 Zeichen, das hilft einem, auf den Punkt zu kommen.

Abt Martin schreibt alle seine Predigten und Referate selber, einen Ghostwriter hatte er nie, und PowerPoint will er in seinen Präsentationen nie verwenden, denn „ich habe etwas zu sagen“. Dieses in sich Ruhen, die Selbstsicherheit, das Gottvertrauen, gepaart natürlich mit einem ungemeinen Wissen, das macht aus Abt Martin einen Menschen, dem ich stundenlang zuhören könnte.

Und dann, ganz unverhofft aber immer gerne erlebt, kommt eine selbstironische Bemerkung oder sonst ein humorvoller Einschub. Ein schönes Beispiel von @leilasumma in ihrem Tweet: „Weshalb bist du nicht auf facebook @AbtMartin?“ „Ich beginne doch nichts mehr neues“#ironie #simplygreat #netzzunft

Es gibt sicher eine Menge über den Abend zu berichten, und ich bin sehr gespannt auf weitere Berichte.

Wir haben uns im Laufe des Abends übrigens zum Du durchgerungen.

Vielen Dank an @leilasumma und @pixelfreund für’s in die Wege leiten und Organisieren, @sufranke und und @namics für die Gastfreundschaft.

http://www.twapperkeeper.com/hashtag/netzzunft

Kommentar von @AbtMartin http://bit.ly/bZ8Os3
Su Frankes Beitrag in ihrem Denkste-Blog http://sufranke.wordpress.com/2010/05/24/meister_ab/
Wie pixelfreund den Abend erlebt hat: http://www.pixelfreund.ch/2010/05/netzzunft-mit-abt-martin-glaube-2-0-copy_paste_believe/
Was Kommonikation zu berichten hat: http://blog.kommonikation.ch/20100526/abtgezwitscher/

Rolis Bilder des Abends: http://roli.me/netzzunft-bei-namics-zu-gast/

19
Apr
10

Suppe, Mafia und Ärger

Toastmasters International

Toastmasters International setzt sich dafür ein, effektive mündliche Kommunikation zur weltweiten Wirklichkeit zu machen.

Letzten Samstag fand der Annual Toastmasters Division E – International Speech & Speech Evaluation Contest in Zürich statt. Der englische Toastmasters Verein Zuriberg Toastmasters hat den Anlass auf die Beine gestellt. Ich hatte den Club vor ein paar Wochen in ihrem Stammlokal, dem Restaurant Blue Monkey, besucht und aufgrund dieser Erfahrung bereits vermutet, dass der Wettbewerbstag sehr professionell ablaufen würde. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt.

Toastmasters massen sich also untereinander in der vorbereiteten Rede sowie im Reden bewerten, und sie taten dies auf Englisch oder Deutsch. Neben den Wettbewerben wurden je zwei Workshops in Deutsch und Englisch angeboten. Mit Ausnahme des Redebewertungs-Wettbewerbs, bei dem ich als Jurorin im deutschen Teil dabei war, verfolgte ich den restlichen Tag ausschliesslich die englischen Teile und kam so in den Genuss der Präsentationen von J. Vincent und K. Bullus.

Auf J. Vincent war ich schon ganz gespannt, da ich ihn von LinkedIn her kannte und einige seiner Blogs gelesen hatte. Seine unterhaltsame und lehrreiche Präsentation „Selling in the Brave New World“ hat mir ausgezeichnet gefallen. Er reicherte echte Inhalte mit eigenen Beispielen an, ohne mit Füllwörtern um sich zu werfen.

K. Bullus‘ Vortrag „Having fun with desaster“ versprach schon vom Titel her spannend zu werden – und er enttäuschte nicht. Mit viel Humor animierte er uns, erst mal selber Rettungsversuche für mögliche „Unfälle“ zu erarbeiten, um dann seine Lösungen zum Besten zu geben. K. Bullus überzeugte mit seiner Lebhaftigkeit, seinem Temperament und seiner Lockerheit, mit der er Unfällen während seines Workshops begegnete.

Mein persönliches Highlight während dieses Tages war der englische Redewettbewerb, über den ich mich deshalb etwas detaillierter auslasse.

Camran berichtete uns von dem Tag, als Ajatollah Chomeini nach jahrelangem Exil am 1.2.1979 in Teheran landete. Millionen von begeisterten Menschen bewegten sich zum Flughafen hin. Er dagegen, der 11-jährige Junge, bewegte sich gegen den Strom, denn Chomeini war nicht sein Führer. Er hatte damals verstanden, dass es zwei Arten von Führern gibt. Jene, die Teilung ansteuern, und jene, welche das Miteinander anstreben. In seiner Rede erinnerte er uns daran, dass man weise entscheiden soll, wem man folgen will.

Von Silvana erfuhren wir, dass eine Suppe nicht einfach nur eine Suppe ist. Gekocht von ihrem Vater, der von seiner eigenen Erziehung her seinen Platz keineswegs in der Küche sah, wurde diese Suppe zu einem Zeichen seiner Liebe für sie, seine Tochter. Wie sehr sie das berührte, war hör- und sichtbar und ergreifend in einer Sprache, die vor meinem geistigen Auge sehr konkrete Bilder heraufbeschwörte. Kocht Euren Kindern Suppe ist ein Rat, den sich alle Eltern zu Herzen nehmen dürfen.

Ebenso bildhaft schilderte Maria, wie sich ihre italienische, nach Australien ausgewanderte Familie gemeinsam den Paten ansah, für ihre Eltern weniger ein Film über die Mafia als vielmehr einer über ihre Heimat, denn Marias Mutter kam just aus dem kleinen Ort Forza d’Agrò (Sizilien), in welchem Teile des Paten gedreht wurden. Die quirlige Australien-Sizilanerin erklärte uns mit ihrem ganzen Temperament, wie sehr es sie mehr und mehr frustrierte, dass die ganze Welt Sizilien ausschliesslich mit der Mafia in Verbindung zu bringen schien, und wie sie MAFIA für sich umgedeutet hat: Mangare (die Beschreibung der leckeren Gerichte grenzte an Folter, ich wurde immer hungriger), Amore, Forza, Italia, Amici veri!

In Mahima’s Rede lieferten sich Angst und Vertrauen einen Kampf. Sie stellte uns die zwei Kämpfer vor, als wären wir Zuschauer eines Boxkampfes, und genauso spannend entwickelte sich der Schlagabtausch zwischen den niederschmetternden oder zur Vorsicht mahnenden Argumenten der Angst und den motivierenden, enthusiastischen Darlegungen des Vertrauens. Beängstigend viele Ausführungen der Angst kamen mir furchtbar bekannt vor, noch so gerne liess ich mich von der Begeisterung des Vertrauen anstecken.

Das Thema Ärger wurde von Leslie auf erfrischend andere Art beleuchtet, ja gar gefeiert. Sie plädierte dafür, den Ärger als das zu sehen, was er ist: eine Quelle der Kraft und Energie. Anstatt den Ärger zu bekämpfen, sollte man ihn nutzen, denn in die richtigen Bahnen gelenkt, kann er uns weiterbringen und aus scheinbar ausweglosen Situationen befreien.

Seit einigen Monaten lese ich regelmässig John Zimmers Blog. Insbesondere seine Redeanyalysen sind für mich eine echte Bereicherung. Letztes Jahr hatte er den District-Wettbewerb der humorvollen Reden gewonnen und diese Rede ebenfalls in seinem Blog analysiert. Die Rede wie die Analyse sind ein Genuss der Extraklasse, und ich war sehr neugierig auf seine Rede in diesem Wettbewerb. Von einer amüsanten Episode aus seinen Ferien mit der Familie in Istanbuhl führte er uns zu einer Geschichte einer Frau, welche den Holocaust überlebt hatte. Sie erinnerte sich an die letzte Szene mit ihrem Bruder auf der Zugfahrt ins KZ und wie sie mit ihm schimpfte, weil er seine Schuhe verloren hatte. Es waren die letzten Worte, die sie an ihn richtete. Sie wurden getrennt, und sie sah ihren Bruder nicht mehr. Sie hatte sich geschworen, nie wieder Worte an jemanden zu richten, die sie später bereuen würde. Ein grosses Schwur, aber einer, den anzustreben es sich lohnte. Mit einem unglaublichen Feingefühl führte uns John von dieser bewegenden Geschichte zurück zum Istanbuler Markt, brachte uns wieder zum Lachen und schaffte den Bogen zu seiner Botschaft: Mache Deine Worte zu etwas unermesslich Besonderem.

Mit dieser Rede hatte John den Wettbewerb aus meiner Sicht absolut verdientermassen gewonnen, wenngleich es der Jury bestimmt nicht leicht fiel, denn alle Reden waren von hoher Qualität, hatten inspirierende Inhalte und waren fesselnd und mitreissend vorgetragen.

Es war für mich ein rundum gelungener Tag, mit ganz vielen bereichernden Denkanstössen und beflügelnden Begegnungen. Dem Zuriberg Toastmasters Club kann ich nur von Herzen für die absolut professionelle Planung, Organisation und Durchführung gratulieren.

Wer sich für Toastmasters interessiert, wird hier fündig: www.toastmasters.ch – Gäste sind jederzeit willkommen!

11
Apr
10

Und oft kommt es anders als man denkt

Trotz viel Spass und schönen Erlebnissen konnten meine zwei Jahre Studenten-Theater keine Leidenschaft für’s Theater in mir wecken. Theater ist nicht meine Welt, vor allem nicht als Zuschauerin. Man darf daraus gerne schliessen: ich bin keine Kennerin!

Es kommt immer, wie es kommen muss. Meine heiss geliebte Patentochter, die ich selbstverständlich, ebenso wie meine zweite Nichte, in ihren Aktivitäten und Interessen bestmöglich unterstützen möchte, liebt das Theater. Ausgerechnet! Seit einem Jahr ist sie Mitglied der Theatergruppe ihrer Schule, was übrigens dazu führte, dass ich sie in den letzten paar Monaten kaum noch sah! Theater spielen ist ein zeitintensives „Hobby“.

„Im ‚Wintermärchen‘ … steht die Erzählung einer zeitlich wie örtlich weit ausgedehnten Geschichte im Vordergrund, die vom König Leontes handelt, der wegen seiner Eifersucht seinen besten Freund und seine Familie verliert, doch nach sechzehn Jahren wie durch ein Wunder wiederfindet. […]Dem Autor geht es […] darum zusammen mit dem Zuschauer über das Wesen des verletzlichen menschlichen Lebens in seiner gefährdeten Existenz nachzudenken, das von einer Macht ganz besonders beherrscht wird: der Zeit, die auch als Figur, als Chorus im Stück auftritt.“ Das schreibt die ArbeitsGemeinschaft Theater Rämibühl auf ihrer webpage über das Stück.

Das Wintermärchen - Ein Stück Zeit nach William Shakespeare

Das Wintermärchen - Ein Stück Zeit nach William Shakespeare

Am Freitagabend also war es soweit, ich „musste“ mir das Stück in der Aula Rämibühl ansehen. Wer die Aula Rämibühl kennt, der weiss: Der Innenarchitekt war möglicherweise mit Kunst beschäftigt, das kann ich nicht beurteilen, keinesfalls aber mit dem Hinterteil des Menschen. Dieses ging ihm wohl eher an ebendemselben vorbei. Im Klartext: Bequem sitzen und Aula Rämibühl ist ein Oxymoron. Entsprechend gross war meine Vorfreude, Laientheater in Kombination mit Diskomfort – da musste ich jetzt einfach durch.

Das Wintermärchen - Ein Stück Zeit nach William Shakespeare

Das Wintermärchen - Ein Stück Zeit nach William Shakespeare

Aus „Muss“ wurde GENUSS und noch viel mehr. Was ich am Freitagabend sah, hat mich gewaltig beeindruckt. Nicht die Spur von Laientheater und absolut keine Langeweile. Mit Fragen zu ZEIT, die zu Beginn der Aufführung ins Publikum geworfen wurden, war der eigene Geist schon angenehm angeregt. Die Geschichte entfaltete sich durch hervorragendes Schauspiel, unterbrochen durch Erzählungen in Deutsch und Englisch. Die Choreographie, wenn man das Wort für Theater überhaupt verwenden darf, der Rhythmus der Erzählung war herrlich vielseitig. Schauplatz war nicht nur die Bühne, die Charaktere bewegten sich zum Teil im ganzen Saal. Von ganz ruhig, fast regungslos und leise bis zu volksfestartigen Tumulten, von ganz dunkel über Spot bis helles Lichtspiel, von Walzertanz bis Rap, von Liebesszenen über Tragik bis zu humoristischen Einlagen, es war einfach alles dabei. Die Menge dieser Zutaten war perfekt, die Kombination wundervoll aufeinander abgestimmt.

Es hat mir ECHT gut gefallen! Und ehrlich, ich bin schon gespannt, was diese Truppe nächstes Jahr auf die Beine stellen wird.

Es ist noch nicht zu spät, die nächsten Spieldaten sind: 13./ 14./ 16. und 17. April 2010




aufbauen; koordinieren; organisieren; motivieren; lehren; teilen; lernen; ermutigen

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